Der Name Jupiter dürfte mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes „in aller Munde“ sein: Ob Blechblasinstrumente, Klarinetten, Flöten oder eben Saxophone, der taiwanesische Musikinstrumentenhersteller K.H.S. hat sich da einen ganz hervorragenden Ruf, besonders auf dem Gebiet der Schülermodelle, erstritten. Meine beiden Testkandidaten greifen allerdings in der oberen Etage der Saxophonbaukunst an. Mit 1.950,- EUR für das Alto bzw. 2.399,- EUR für das Tenor bleibt JUPITER zwar um einiges unter den Preisen der etablierten Konkurrenz, doch vom Anspruch her möchte man im Konzert der Selmers, Keilwerths, Yanagisawas und Yamahas schon mitmischen. Ob diese Zielsetzung erfolgversprechend ist?

Von Robert Kretzschmar

Die 900er „Artist“-Serie ist Nachfolgerin der 800er Serie, die komplett überarbeitet wurde. Es gibt jeweils zwei Versionen: einmal die Goldlackausführung unter der Bezeichnung GL und die versilberte Ausführung SG. Allerdings wurde nur der Korpus versilbert, Mechanik und Klappen sind gold lackiert. Deshalb das zusätzliche G in der Typenbezeichnung. Auf meinem Lieferzettel steht jedenfalls SG und so gleicht der erste Blick in die beiden Luxus-Light-Etuis einem Blick in eine mit Gold und Silber gefüllte Schatzkiste.

Manege frei
Eine echte und positive Überraschung ist die Entdeckung eines zweiten S-Bogens in einem extra dafür vorgesehenen Fach, denn JUPITER verfügt schon seit einiger Zeit über ein breites S-Bogen-Sortiment, das für die unterschiedlichen stilistischen Bedürfnisse der Kundschaft entwickelt wurde. Aber, dass neben dem Standard S-Bogen noch ein zweiter unter der Kennzeichnung RB (Rose Brass, also Goldmessing) jetzt zum regulären Lieferumfang gehört, ist schon mehr als bemerkenswert. Alle S-Bögen sind im Übrigen mit einem Stopper versehen, der den gleichmäßigen Öffnungsabstand der Klappe garantiert. Auf den erwähnten S-Bögen prangt das große „J“ für JUPITER auf goldenem Grund – der stilisierte Saturn aus früheren Jahren hat mir da besser gefallen. Sehr gelungen ist dagegen die Gravur: Schön geschwungene Pflanzenmotive, die sich organisch in das Design der Instrumente einpassen. Beide 900er richten sich in ihrer Bauweise im Großen und Ganzen nach dem Vorbild Selmer. Ein paar Abweichungen sind allerdings doch zu konstatieren. Beispielsweise setzt JUPITER bei der Mechanikmontage auf die Böckchenkonstruktion, während Selmer noch bei seinen Leisten bleibt. Einzig die Hebel der hohen Töne sind auch bei JUPITER auf einer Platte – vormontiert – aufgelötet. Zudem weicht die Mechanik der Vorne-F-Klappe etwas vom Vorbild ab.
Sehr gewissenhaft und mit Sinn für die Feinheiten wurde bei JUPITER mit der Auswahl, Einstellung und Anbringung von Polstern, Federn, Filzen und Kork umgegangen. Die mit Metallresonatoren ausgestatteten Polster sind feinporig, kleben nicht und geben keine unangenehmen Geräusche von sich. Wer auch immer die edlen Blaustahlfedern eingezogen und gespannt hat, der hat mustergültige Arbeit geleistet. Bei beiden Saxophonen sind die Federnspannungen, für mich jedenfalls, einfach ideal. Als hätte jemand die Kräfteverhältnisse meiner Finger analysiert und das Ergebnis direkt umgesetzt. Die weitgehende Geräuschlosigkeit beim tonlosen Spiel verdanken die beiden Instrumente nicht nur der absoluten Passgenauigkeit der Mechanik, sondern auch den mit Sinn und Verstand eingesetzten Rückschlagdämpfern aus schwarzem Filz, den je nach Bedarf mal harten, dann mal wieder sehr weichen Korkplättchen und der makellosen Anbringung aller Teile. Etwas überdimensioniert erscheinen mir die abgerundeten Sechskantschräubchen, die die Einstellung der Klappenkoppelung mit einem Schraubenschlüssel ermöglichen. Aber immerhin besteht die Möglichkeit daran herumzustellen, was längst nicht die Regel bei den Topmodellen ist. Man ist nicht gezwungen mit dünnen und schmalen Korkplättchen herumzuexperimentieren, wenn wirklich einmal etwas eingestellt werden muss. Davon sollte allerdings dringend Abstand genommen werden, denn bei dieser perfekten Werkseinstellung ist jede Änderung eine Verschlechterung.

Auf dem Drahtseil
Nach diesen grandiosen technischen Vorgaben bin ich auf die Spieleigenschaften meiner beiden 900er gespannt. Zunächst nehme ich das Tenor zur Hand. Es fühlt sich recht leicht und sehr gut ausbalanciert an. Nach einigen Läufen rauf und runter bin ich restlos begeistert. Ob ganz unten oder in den oberen Regionen – das JP-989 lässt sich mühelos über alle Register mit einer Klarheit und einem Trennungsverhalten der Töne spielen, die ich bisher kaum erlebt habe. Gleiches lässt sich ungeschmälert auf das Alto übertragen. Vielleicht orientiert sich der Schallbecher beim entspannten Tragen des Instruments etwas zu weit nach links, was aber wohl niemanden ernstlich stören sollte. Hinsichtlich der Ansprache bleiben ebenfalls keine Wünsche offen: Beide JUPITER Saxophone setzen dem Künstler einen nur geringen Widerstand entgegen, was nicht jeder gleich gut finden dürfte. Aber dafür kommen die Töne ohne Verzögerung, ob nun ganz unten oder im Bereich der Top Tones. Überhaupt spielen sich beide „Artisten“ durch die Verbindung der ausgefeilten Mechanik mit dem eher geringen Blaswiderstand wie von selbst.

Tusch
Wie oben schon erwähnt, wird die neue „Artist“-Serie mit zwei unterschiedlichen S-Bögen ausgeliefert. Zum einen gibt es natürlich die standardmäßige versilberte Messingausführung, zum anderen soll mit der Goldmessingausführung eine weichere Klangcharakteristik erreicht werden. Zunächst spiele ich das Tenor mit dem Standard-S-Bogen. Das Horn geht gut los, lässt sich über einen recht großen Dynamikbereich bewegen, ohne bei lauten Passagen zu überdrehen. Leise Töne klingen für meinen Geschmack manchmal etwas flach. Überhaupt hat das Saxophon einen eher seidigen, unspektakulären Grundsound. Da scheint mir jede Menge Spielraum für ausgedehnte Mundstückexperimente vorhanden zu sein, da deren spezielle Charakteristiken gut abgebildet werden. Mit dem Goldmessing S-Bogen (eingraviertes RB, Rose Brass) besitzt der Multistilist noch die Möglichkeit, sich dem Klangideal der Klassikfraktion anzunähern. Denn mit diesem S-Bogen klingt das JP-989 tatsächlich weicher und schlanker. Es geht soundmäßig etwas in die Flötenrichtung. Man bewegt sich dynamisch allerdings mehr im unteren Bereich, wenn es sehr laut werden soll, macht das Horn einfach zu. Ein eingebauter Limiter! Noch extremer als beim Tenor nimmt man die Unterschiede der beiden S-Bögen beim Alto, dem JP-969, wahr. Hier macht die Standardkombination ordentlich Dampf, problemlos kann man auch diesen in den Höhen leicht verzerrten Altosound (Klanganteile der unteren Oktave mischen sich in die obere) hinbekommen. Sobald jedoch der Goldmessing S-Bogen aufgesetzt wird, ist es vorbei mit der Lärmerei. Nun ist Wohlklang angesagt, mit feinsten dynamischen Schattierungen bis an die Unhörbarkeitsgrenze. Genial!
Abschließend noch einige Blicke auf das Stimmgerät: Da der Kork an den S-Bögen sehr großzügig dimensioniert ist, was Mundstückbesitzer mit großen Bohrungen erfreuen wird, abschleifen kann man ja immer, bekomme ich kein Mundstück auf mehr als 440 Hz Stimmtonhöhe. Alle Töne lassen sich hier wunderbar intonieren, auch Problemtöne wie D2 oder E2 rangieren im bauartbedingten Toleranzbereich und weichen nur ganz leicht nach oben ab. Mit etwas Schmirgelpapiereinsatz sollte es, mit Blick auf die noch vorhandene Korklänge, kein Problem sein auch höhere Stimmungen zu realisieren.

Zubehör
Ein Traum in Schwarz und Leder stellen die Luxus-Light-Etuis dar. Die Außenhaut besteht aus einem grob gefaserten, sehr robust aussehenden Gewebe. Aber der ästhetische Hochgenuss wird durch die hellbraunen Lederbesätze an der aufgenähten Notentasche erzeugt. Das hat Klasse! Beim ersten Blick in den Koffer sieht man erst einmal schwarz, denn über der gold-silbernen Pracht liegt eine schwarze Decke wie aus Samt. Beim Tenor gibt es ein breites Fach für die beiden S-Bögen, beim Alto kann man diese übereinander deponieren. Durch das Hochziehen einer Klappe kommt man an den darunter liegenden S-Bogen – es wurde wirklich an alles gedacht. In einem weiteren Zubehörfach befindet sich noch ein recht brauchbarer Trageriemen, Korkfett, das berühmte JUPITER Putztuch und ein Mundstück. Letzteres sollte der glückliche Erwerber allerdings möglichst bald durch ein Markenmundstück ersetzen, da es nicht annähernd dem Niveau der „Artistenfamilie“ entspricht.

Fazit
Die „Artist“-Serie von JUPITER kann ich nur als rundum gelungen bezeichnen. Was da an technischer und handwerklicher Perfektion geboten wird, dürfte nur schwerlich zu übertreffen sein. Bei diesen JUPITER-Saxophonen hängt alles nur davon ab, ob man hier seinen Sound findet. Alles andere wird von JUPITER in beeindruckender Manier geliefert und das zu einem mehr als adäquaten Preis!

Pro und Contra

  • + sehr gute Verarbeitung
  • + leichte Handhabung und Ansprache
  • + klangliche Alternative durch zwei S-Bögen
  • + luxuriöse Ausstattung
  • + hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • - Mundstück

Schnellauswahl: