Hersteller der JUPITER Querflöten ist die 1930 gegründete taiwanesische Firma K.H.S.. Sie ist die größte Herstellerin von Musikinstrumenten in Taiwan und gleichzeitig die einzige, die alle Instrumente nur in eigenen Betrieben herstellt und unter eigenem Namen (JUPITER) weltweit in den Handel bringt. Aber wer oder was ist „Di Medici“? Die Familie Medici war eine florentinische Kaufmanns- bzw. Bankierfamilie, aus der zwischen etwa 1450 und 1700 viele Landesfürsten und zwei Päpste hervorgingen. Dieses wohl berühmteste aller italienischen Geschlechter leiht seit über zehn Jahren der gehobenen Flöten-Linie von JUPITER seinen Namen.

Bereits zwischen 1989 und 1991 war hierzulande eine Querflötenreihe unter dem Namen „Di Medici“ im Handel. 1989 hatte Shuichi Tanaka die Heimreise nach Japan angetreten. Fast zehn Jahre war der schon damals weltbekannte Flötenbauer für die Firma K.H.S. in Taiwan tätig gewesen. Er hatte den Auftrag, die Produktion der dort unter dem Namen JUPITER gebauten Querflöten zu professionalisieren. Während seines Aufenthalts in Taiwan entstand neben seiner Arbeit für K.H.S. die Marke „Altus“, unter der Tanaka in seiner freien Zeit eine eigene Reihe von High-End-Flöten aufbaute. Auch für diese Instrumente stand ihm aufgrund der Vereinbarung mit K.H.S. der Vertriebsweg des taiwanesischen Konzerns zur Verfügung. Als Meister Tanaka wieder nach Japan zurückkehrte, entstand bei K.H.S. die Idee, für eine gehobene Querflöten-Reihe Tanakas Erfahrungen im High-End-Bereich (und die seiner Mitarbeiter) selbst zu nutzen. Dies war die Geburtsstunde der „Di Medici“ Serie. Die ersten „Di Medici“-Flöten fanden auf den Fachmessen große Anerkennung; allerdings hielt sich der deutsche Vertrieb mit seinem Engagement zunächst zurück, da er mit der Qualität noch nicht restlos zufrieden war. Nach 1991 hörte man eine Zeitlang nichts mehr von „Di Medici“. Erst 1995 ließ man mit einer verbesserten Neuauflage diese Reihe wieder aufleben; zunächst nur mit den 911er Silberkopfflöten und den 1011er Silberrohrmodellen. Die Reihe wird nun aktuell um die 811er Modelle (versilbert, Mundplatte und Mundlochkamin aus 925er Vollsilber) erweitert.

Äußerlich unterscheiden sich die „Di Medici“-Flöten von dem normalen JUPITER Programm insbesondere durch ihre Spitzdeckel-Ausführung. Dieses in der Herstellung aufwändigere Design war früher traditionell den Hoch-Preis-Flöten, zum Teil zu einem vierstelligen Aufpreis, vorbehalten. Die „Di Medici“-Serie macht diese Edel-Optik auch den Flötisten mit kleinerem Geldbeutel zugänglich. Mensur und Tonloch-Netz der JUPITER- und der „Di Medici“-Flöten sind identisch. Es gibt allerdings weitere Qualitätsunterschiede, die sich dem Auge des ungeübten Betrachters entziehen. Für die „Di Medici“-Flöten werden hochwertigere Materialien verwendet, z.B. hochwertigere Polster und Nadelfedern. Bei der Herstellung ist zudem ein wesentlich höherer Anteil an Handarbeit im Spiel. Die „Di Medici“-Flöten entstehen in einem anderen Gebäudeteil als die „normalen“ Fabrik-Flöten und werden von einem anderen Team gefertigt. Schließlich haben sie ein spezielles Mundplattendesign, das den „normalen“ JUPITER-Flöten nicht zur Verfügung steht. Neu ist, dass zwischen zwei verschiedenen Mundlochformen (D2 und D5) gewählt werde kann.
Zum Test erhielten wir zwei Deckelklappenflöten, davon eine mit der D5-, eine mit der D2-Mundplatte (JP-811ES-D5 und JP-811ES-D2) und eine Ringklappenflöte (JP-811ESR-D2).

Äußere Erscheinung
Das Kopfstück trägt am oberen Ende eine eingestempelte Beschriftung: „Sterling LR D5“. „LR“ bedeuten „Lipplate/Riser“, also Mundplatte und Mundlochkamin. Beides ist aus Sterling Silber, das Rohr selbst ist aus versilbertem Neusilber. Das Mundloch der D5-Platte hat die Maße 12,0 x 10,7 mm, das der D2 ist mit 11,7 x 10,4 mm etwas kleiner. Beide Mundplatten sind weder konkav noch konvex gewölbt. Das D5-Mundloch ist weder innen unterschnitten, noch sind oben die seitlichen Mundlochränder angeschnitten. Das (kleinere) D2-Mundloch ist ebenfalls nicht unterschnitten, die seitlichen Mundlochränder dagegen sind leicht angefasst. Das D2-Kopfstück ist auf der Stimmkork-Seite etwa 1 cm länger als der D5-Kopf. Die Kopfstücke sind mit dem bekannten JUPITER-Logo graviert, der (etwas grobe) „Di Medici“-Schriftzug befindet sich auf der Steckverbindung des Hauptstücks. Dank der Spitzdeckelausführung sieht die Flöte aus wie ein teures Solisteninstrument. Von den üblichen fünf Einstellschrauben, ist eine von oben, die übrigen von unten bequem erreichbar.
JUPITER verwendet für die Klappen der linken Hand kleinere Deckel, die die ebenfalls kleineren Tonlöcher verschließen. Dies ist im Bereich der Schülerflöten eher die Ausnahme. Dafür wirkt die Flöte zierlicher und eleganter als andere. Für die Anschläge unter den Klappenfüßchen wird neben weißem Filz ausschließlich Naturkork verwendet. Plastikfüßchen kommen nicht zum Einsatz. Die Beklappung des Fußstücks muss, wie bei allen JUPITER Flöten, mit drei Achsböckchen auskommen. Auch wenn manche Flöten der 5000,- EUR-Klasse ebenfalls mit drei Böckchen auskommen: Dem harten Griff einer Schülerfaust widersteht die auch in dieser Preisklasse durchaus übliche vierböckige Konstruktion besser als die dreiböckige.

Verarbeitung
Hinsichtlich der Verarbeitung hinterließen alle drei Flöten den besten Eindruck. Die Versilberung ist makellos, ebenso alle Lötstellen; Klappenspiel, toter Gang oder Mechanikgeräusche gibt es bei keinem der Instrumente. Dies ist bei Querflöten der großen, namhaften Hersteller allerdings zum Glück bereits im Schülerbereich Standard. Zum Aufspüren von Deckungsfehlern wurde eine Prüflampe in dem Flötenrrohr versenkt. Bei keinem der Instrumente gab es Deckungsfehler, hier wurde tadellose Arbeit geleistet.

Spieleigenschaften
Die JUPITER „Di Medici“-Flöten haben ungewöhnlich weich eingestellte Federn. Einerseits dient dies dem Spielkomfort: alle Klappen lassen sich ultrabequem drücken; sie hängen nicht und kommen auch blitzschnell zurück. Fingertechnisch spielt die Flöte schon fast von alleine. Andererseits ist dies problematisch für Klappen, die durch Federdruck verschlossen gehalten werden. Für die Dis-Klappe, die ihr Loch durch Federkraft sicher schließen muss, reicht der Federdruck noch. Für die beiden Trillerklappen ist der Federdruck ab Werk definitiv zu schwach eingestellt. Er ist wesentlich niedriger als der Federdruck der umliegenden Klappen (F,E,D). Bei der kleinsten unabsichtlichen Berührung durch die Finger der rechten Hand öffnen sich die Trillerklappen und gefährden hiermit das Gelingen von schnellen Läufen. Die Nadelfedern sind stark genug, es ist also kein Problem, sie nachzubiegen und die Mechanik so auf einen zuverlässigen Stand zu bringen, aber dies sollte eigentlich ab Werk erledigt worden sein. Auch für den kleinen Finger rechts, der manchmal unbequeme Rutschbewegungen ausführen muss, bieten alle drei Flöten hohen Komfort. Gegenüber der alten 811er von 1990 sind die Drücker wesentlich fingerfreundlicher konturiert.

Ansprache und Klang
Bekanntermaßen ist die Ansprache bei Neusilber-Köpfen nicht ganz so leicht wie sie bei (guten) Vollsilber-Köpfen sein kann. Für den etwas höheren Blaswiderstand wird man mit einem durchsetzungsfähigeren und strahlenderen Ton belohnt. Die Gleichung „edleres Metall = höherer Preis = bessere Spieleigenschaften“ ist nicht richtig. Jedes Material hat seine Stärken und Schwächen. Man muss nur wissen, was einem wichtig ist; für manche Anwendungsbereiche ist die Neusilberflöte die beste Wahl.
Allen Testflöten kann, insbesondere in der dritten Oktave, eine für Neusilberflöten leichte Ansprache bescheinigt werden. Bei gleicher Spielweise wurde eine etwas höhere Lautstärke erzielt als bei anderen Instrumenten. Die „Di Medici“-Flöten haben eine sichere Höhe, aber auch, wenn es sein muss, einen durchsetzungsfähigen, kernigen Ton in der Tiefe. Die D2 Mundplatte erzielt den etwas leiseren, feineren Ton. Klanglich ist sie unser Favorit. Die D5 Mundplatte produziert – möglicherweise auf Grund des größeren Mundlochs – eine etwas höhere Lautstärke, lässt sich in der tiefen Lage mit mehr Kern spielen und strahlt in der dritten Oktave mehr. Für manche Einsatzbereiche vielleicht etwas zu stark. Wo immer es darum geht, mit wenig Kraft große Lautstärke zu erzielen (z.B. Blasorchester; Popmusik, z. B. als Nebeninstrument von Saxophonisten), ist sie eindeutig die bessere Wahl. Allerdings waren auch beide D5-Köpfe nicht identisch: Möglichst mehrere probieren!

Intonation
Die Instrumente sind nach Angaben des Herstellers für eine Grundstimmung von A=440 Hz ausgelegt. Allgemein kann man sagen: Die Unterschiede, auch bei Schülerflöten seriöser Hersteller, liegen heute am Rande der Wahrnehmbarkeitsgrenze. Hiervon können z. B. Saxophonhersteller nur träumen. Mensur und Tonlochnetz der besten Flöten der Welt sind heute jedem größeren Hersteller bekannt, die Arbeit zur Übertragung auf die heute höhere Normalstimmung hat im wesentlichen Albert Cooper in den 1970er Jahren geleistet. Für die technische Umsetzung hat K.H.S., unterstützt durch die Arbeit von Shuichi Tanaka, die nötige Erfahrung. Es ist kein Problem, die bei Spitzenmodellen erzielten Forschungsergebnisse auf die preisgünstigsten Modelle zu übertragen. Einige Stimmungsprobleme bleiben allerdings unlösbar, da der Flötenbauer bei der Tonlochanordnung Kompromisse schließen muss. Insbesondere betrifft dies das kleine Endloch für das (in der Regel zu hohe) Cis2, das gleichzeitig wie eine Oktavklappe für D2 und Dis2 wirkt (und D2 dabei kräftig anhebt), und das für die Tonhöhe von Cis3, Gis3 und A3 (zu tief) verantwortlich ist. Des weiteren das Loch unter der D-Trillerklappe, das die Tonhöhe des D-Trillers (zu hoch) und des B3 (zu tief) bestimmt. Die perfekt stimmende Flöte ist offensichtlich eine Utopie.

Die „Di Medici“-Testflöten mussten zum Erreichen einer 440 Hz-Stimmung um immerhin 7 mm ausgezogen werden. Sie haben durchweg eine sehr ausgeglichene Stimmung. Zwei der üblichen Problemtöne reagierten etwas auffällig: Cis2 driftet – wie gewohnt – etwas nach oben, B3 nach unten ab. Die Abweichungen waren durchaus im Bereich des Gewohnten. Besonders angenehm fiel auf, dass die vor allem bei älteren Flöten zum Teil problematische dritte Oktave intoniert bei den „Di Medici“-Instrumenten angenehm homogen.
Der Versuch wurde in der hierzulande häufig anzutreffenden 442 Hz-Stimmung (ca. 5 mm ausgezogen) wiederholt: Das Cis2 bekommt hiervon am meisten ab, aber die Abweichung ist noch im leicht beherrschbaren Rahmen. Auch bei A=442 Hz ist die Intonation der „Di Medici"-Flöte noch recht ausgeglichen. Für noch höhere Stimmungen hat man mit 5 mm noch reichlich Spielraum: Für ein A=445 Hz muss immer noch 2-3 mm ausgezogen werden! Allerdings leidet die In-sich-Stimmung des Instruments dann spürbar; vor allem Cis2 ist kaum mehr brauchbar.

Zubehör
Die 811er Flöten kommen in demselben eleganten Etui wie ihre 911er und 1011er Schwestern daher. Das Etui hat einen Holzkern und ist mit schwarzem Kunstleder überzogen. Dass es sich nicht um echtes Leder handelt, ist mit bloßem Auge nicht feststellbar, erst ein Anruf beim deutschen Vertrieb brachte Klarheit. Diese Optik und die edle Innenausarbeitung entsprechen im Prinzip dem Standard der teuren japanischen High-End-Flöten. Zu dem Etui gehört noch eine gefütterte Textil-Hülle. Das weitere Zubehör entspricht dem aller JUPITER Flöten: Ein Wischerstab aus lackiertem Holz im JUPITER-Design: an beiden Enden glatt abgeschnitten. Dazu gibt es für die Außenseite ein Mikrofasertuch; ein Wischertuch für innen muss zugekauft werden – auch das ist Tradition bei JUPITER. Sehr erfreulich ist das 16-seitige deutschsprachige Heftchen, das eine ausführliche Pflegeanleitung und sogar Tipps zum Justieren und Ölen gibt. Die Ringklappenflöte wird mit fingerfreundlichen Silikon-Einsätzen zum Verschließen der Löcher ausgeliefert.

Pro und Kontra

  • + Spitzdeckelmechanik zu moderatem Preis
  • + sehr gute Spieleigenschaften
  • + Auswahlmöglichkeit zwischen zwei Kopfstücken
  • - Federn der Trillerklappen ab Werk zu weich eingestellt

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