Wir dürfen die Sektkorken knallen lassen – wenn man der Aussage von JUPITER glauben kann: mit der neuen Quartposaune „JP-538L-F“ hat Jupiter ab sofort auch eine Quartposaune in ‚offener Bauweise’ zu bieten. Der Hersteller verspricht sehr gute Ausstattung, beste Qualität und als zusätzliches Appetithäppchen gibt es die bekannte ‚Ergonomic’-Konstruktion gleich gratis dazu. Da wird nach einem intensiven Test doch bestimmt keine Katerstimmung aufkommen, oder?

Von Ansgar Nake

Zugaben
Schon in der jüngsten Vergangenheit konnte Jupiter beim Zubehör ein Fass aufmachen – beim Koffer der „538“ ist das nicht anders. Hervorragend verarbeitet (wir denken sofort an die BAM-Koffer aus Frankreich – die sind unbezahlbar!), stabile Schale, Überzug, Rucksackgarnitur (versenkbar) und Ösen für den Schultergurt: das kann man nicht besser machen.
Eine große aufgesetzte Tasche für Noten und flaches Zubehör sowie eine kleine Seitentasche runden den guten äußeren Eindruck ab. Der Innenteil bietet perfekte Passform für das Instrument und den Zug.
Es gibt zwei Platzhalter für Mundstücke und ein schmales langes Zubehörfach für allerlei Kleinkram. Der umfasst bei dieser Posaune zwei Mal Öl (für das Ventil und den Zug), ein Mikrofasertuch, ein Inbusschlüssel und ein 12C-Mundstück.
Leider kann ich dem Öl nicht die Note ‚eins’ geben: durch die kurze, klobige Spitze ist eine Dosierung praktisch unmöglich; besonders das Ölen des Ventils sollte man nicht im Sonntagsstaat verrichten. Beide Flüssigkeiten versehen zwar ihren Dienst, aber heute hat doch jeder Posaunist Reka „Superslide“ und Hetman „Light Rotor Oil“ im Koffer. Diese Schmierstoffe können bei der „538“ absolut überzeugen: Ventil und Posaunenzug laufen hervorragend. Sehen wir uns jetzt die neue „Ergonomic Plus“ genauer an.

Ein Fest für die Sinne
Es scheint, das Jupiter inzwischen das höchste Niveau der Fertigungsqualität erreicht hat: am ganzen Instrument findet auch der pingelige Instrumentenmacher kein noch so kleines Haar in der Suppe. Löt- und Polierarbeiten können einfach nicht besser sein, die Passform der Stimmzüge ist perfekt, das Ventil arbeitet absolut dicht und der Posaunenzug scheint vom großen japanischen Konkurrenten zu kommen. Wie bei der „354“ außen komplett in Neusilber gefertigt, garantieren die hart verchromten Innenrohre einwandfreien Lauf. Ohne jedes Kratzen sind auch schnelle Passagen perfekt zu meistern – dieser Zug verdient die Note ‚sehr gut’.
Verwechselung unmöglich: die Jupiter „538“ gehört zur Gruppe der ‚Ergonomic’-Posaunen. Die Griffschale am Handstück vom Innenzug ist obligatorisch, aber auch jederzeit zu entfernen. Ob ich sie nutzen kann?
Rank und schlank steht der Korpus vor mir: offene Bauweise bei nur 205 mm Becherdurchmesser ziehen in die Länge. Dem taiwanesischen Hersteller ist seine erste Open wrap-Posaune gut gelungen. Um den Vorteil dieser Konstruktion zu nutzen, läuft das obere Ventilrohr nach idealer Krümmung am Schallbecher entlang. Das Untere mündet praktisch gerade in der Büchse – die Ansprache dieses Systems werden wir testen.
Sorgen bereitet mir der ergonomisch geformte ‚Gänsehals’ (das ist das untere Rohr zwischen Ventil und Hauptstimmzug) – durch seine gekrümmte Form könnte es bei Ventilbenutzung den Luftfluss doch erheblich stören und so zum Partyschreck werden. Die Spannung steigt.

Eröffnungstanz
Bis die ersten Schritte über das Parkett erfolgen können, muss die „538“ auf den Bläser ‚einjustiert’ werden. Jetzt kommt der Inbusschlüssel zum Einsatz. „Ergonomic“ bedeutet bei Jupiter immer eine verstellbare und gepolsterte Stütze für die linke Hand – kann sie neben dem Quartventilhebel überhaupt etwas bringen? Sie kann: auf meine (relativ große) Hand eingestellt, ist der Ventildrücker sehr gut zu erreichen und die Posaune ohne die gefürchteten Kopf-Verrenkungen leicht auf der linken Schulter zu positionieren.
Störend wirkt die Griffschale am Zug. Sie wurde einst für die Tenorposaune konzipiert und leistet dort in Zusammenarbeit mit der Handstütze besonders bei kleinen Händen hervorragende Arbeit. Wenn man aber mit den Daumen den Quartventildrücker erreichen muss, wird durch die Griffschale die Hand viel zu weit gespreizt. Doch kein Problem: der Störenfried wird kurzerhand abgeschraubt und alle sind zufrieden.
Durch die ideale Position der langen Drückerplatte fühlt sich der Daumen nie verkrampft an – Lockerungsübungen kann man bei diesem Instrument getrost vergessen.
Das Quartventil läuft hervorragend – die letzte Verbesserung zur professionellen Qualität wären hier Minibalgelenke an der Schubstange statt der seit 20 Jahren bekannten Plastikgebilde. Die sind einer solchen Posaune einfach nicht würdig. Irgendwann muss der Vorrat doch endlich mal verbraucht sein… ich habe da noch Hoffnung.
Wie bei der kleinen „Ergonomic“ hat Jupiter auch diesem Modell eine etwas längere Wasserklappe spendiert. Für Kinderhände in erreichbarer Nähe, für die ‚langen Kerls’ herrlich bequem und leicht zu bedienen. Der ‚Korken’ aus Gummi hält ein Leben lang. Doch Schluss mit dem Gerede – jetzt wird wild getanzt!

Eine rauschende Ballnacht?
Die ersten Töne klingen etwas dünn – durch die gesamte professionelle Ausführung spekuliert man auf „88H“- „4 B/F“- oder wenigstens „446G“-Sound. Der ist mit unserer kleinen „538“ natürlich nicht zu erreichen. Vergessen wir nicht: hier handelt es sich um eine Einsteigerposaune mit Quartventil, die mit professionellen Features ausgestattet ist. Doch der Klang entwickelt sich: eindeutig ist die hohe und mittlere Lage die Stärke dieser Posaune. Unten herum wird es etwas dünn, ist aber durch die kleine Bohrung leidlich zu entschuldigen. Die tiefe Lage mag unsere „538“ gar nicht gerne, da ist auch mit Ventilbenutzung nicht viel zu holen. Hier wird es schnell ‚knallig’ und klingt blechern. Professionell hört sich das leider nicht an. Doch wann verläuft sich der Anfänger mal in diesen Tiefen? Dann ist die „538“ längst mit den besten Empfehlungen an den nächsten Einsteiger weiter gegeben worden.
Die Ansprache der offenen Bauweise kann begeistern. Man spürt fast keinen Unterschied, ob weit ausgezogen oder in bequemer Zugposition mit Ventil gespielt wird. Hier fährt die neue „Ergonomic“ wieder eindeutig in professionellen Bahnen.
Die Intonation lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig: auf 442 Hz steht der Hauptstimmzug noch über einen Zentimeter aus dem Instrument heraus; der Ventilzug findet bei 1,3 Zentimetern seine ideale Position.
Das beiliegende12C-Mundstück sollte man auf jeden Fall probieren, denn es passt sehr gut zum Charakter dieser Posaune. Angenehm im Durchmesser, für Anfänger von seiner Größe (eindeutig Bach-Maße) absolut geeignet – dieses Mundstück geht deutlich über ‚Einsteiger-Qualitäten’ hinaus.
Der erste Eindruck des Handlings bestätigt sich bei längerem Spielen. Die „538“ ist perfekt ausbalanciert; durch den gekrümmten Gänsehals kann der Korpus nahe an den Kopf rücken und die Position zum Mundstück ist immer angenehm. Man wird mutiger; nach der Gewöhnungsphase muss sie nun im Zusammenspiel mit der Combo ihr Können beweisen. Da tut sie sich schwer und kommt an ihre Grenzen: wenn es richtig ‚knallen’ muss, sind die Maße einfach zu klein und das Material zu leicht gewählt. Auch im Versuch mit der Bigband war die „538“ den Profis King „2B“ und Kühnl’s „Bart van Lier“ bei Lautstärke und Klang deutlich unterlegen. Doch was soll’s? Wir haben es hier mit einer Schülerposaune zu tun, die Bläsern die ersten Tanzschritte erleichtern soll – und dafür ist sie mehr als geeignet. Mein Eindruck an Ende des Anblastestes: eine rauschende Ballnacht kann man mit der „JP-538L-F“ zwar nicht erleben, ihr Auftritt ist trotzdem sehr gut gelungen.
Bis auf die Öle beim Zubehör die Note ‚eins’, bei Verarbeitung und handwerklicher Ausführung ebenfall ohne jeden Makel und auf professionellem Niveau – ok, Plastik-Kugelgelenke… Leicht und locker anzublasen, Handling auf den Bläser individuell einstellbar, zum ersten Mal offene Ventilbauweise und gleich gelungen – da kann man über die gezeigten Grenzen beim Klang (wenn es richtig laut wird) und in der tiefen Lage (da gab’s zu viele ‚heiße Luftgeräusche’) auf jeden Fall hinwegsehen.

pro + contra

  • + professionelle Verarbeitung
  • + tolles Zubehör (besonders der Koffer)
  • + sehr bequemes Handling, individuell einstellbar
  • + gute Intonation und Ansprache
  • - beiliegende Schmierstoffe ungeeignet in der Anwendung
  • - Plastik-Kugelgelenke nicht zeitgemäß
  • - Sound in ‚Extremsituationen’ zu dünn und zu leise

Anmerkung des JUPITER Team:
Die Posaunen im aktuellen JUPITER Sortiment werden ausnahmslos mit REKA Superslide ausgestattet.


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