B-Tuba Jupiter 778 L mit vier Zylinderventilen in kompakter Bauweise
Viel Auswahl hatte der ambitionierte Tubist bisher nicht, wenn es um handliche und vor allem bezahlbare B-Tuben mit Drehventilen ging. Da fielen dann Namen wie Melton, Miraphone oder Cerveny Arion – und doch konnten die meisten wegen dem erforderlichen tiefen Griff ins Portemonnaie nicht einmal daran denken. Diese Zeiten scheinen vorbei: Seit der diesjährigen Musikmesse kann im Fachgeschäft eine kompakte B-Tuba mit vier Drehventilen in sehr guter Qualität und bei etwas Verhandlungsgeschick für deutlich unter 3.000,- EUR geordert werden. Hier sorgt die neue Jupiter 778L für Aufsehen.
Von Ansgar Nake
Überraschungen
„Handlich wie ein Euphonium!“ – Mattis Cederberg, Bassposaunist der WDR Bigband und seit kurzem Cerveny „Arion“-Benutzer, steht mit dieser Beurteilung nicht alleine. Die kleine 778L scheint tatsächlich die kleinste B-Tuba mit vier Zylinderventilen zu sein. Kann dieser Zwerg im Konzert der Großen wenigstens einigermaßen bestehen? Voller Tubasound bei dieser Größe? Sehen wir uns den Winzling zunächst etwas genauer an. Die Tuba ist in ihrem Koffer hervorragend geschützt und sehr gut transportabel. Bestnoten für den Koffer der 778L – schwarzer ABS-Kunststoff mit umlaufender Aluschiene, natürlich Transportrollen und entsprechend positionierte Griffe für bestes Handling, solide Schlösser und saubere Verarbeitung. Dem bekannten deutschen Vorbild steht dieses Gehäuse in nichts nach. Mit dem Innenleben des Koffers kann Jupiter am Konkurrenten sogar glatt vorbeiziehen, denn die Passform ist hervorragend. Bestens fixiert und ohne jedes Spiel liegt der Zwerg behaglich in seiner Behausung. Mit leichtem Druck schließt sich der Kofferdeckel über ihm – und wird doch schnell wieder geöffnet. Schwarzer Plüsch, sauber verarbeitet, ein Platzhalter für das obligatorische 24AW-Mundstück, ein kleines Zubehörfach und ein weiteres mit Deckel. Hier ist für jeden etwas dabei. So auch beim Zubehör: gepolsterter Leder(!)-Tragriemen, Ventilöl (ohne Pipette), Mikrofasertuch und ein kleiner Inbusschlüssel zum Verstellen des Daumenrings (darüber wird noch zu sprechen sein…) – die erste Beurteilung kann insgesamt also nur „sehr gut“ lauten.
Muss man es noch hervorheben? Japanische Fertigungsqualität in allen Bereichen ist für Jupiter schon seit geraumer Zeit Programm. Lötstellen und Polierarbeiten sind ohne jeden Makel, das Druckwerk ist dank des verstellbaren Daumenrings für alle Arten von Händen sehr gut zu erreichen. Und der verdient wirklich das Prädikat „verstellbar“: Auf einem massiven Neusilberdraht mit zwei Inbusschrauben fixiert kann er in weitem Bereich sowohl vertikal als auch horizontal verstellt werden. Die gesamte Konstruktion bildet mit der großen aufgelöteten Patte eine solide Einheit und ist sehr lobenswert.
Noch mehr Überraschungen…
Es gibt weitere Überraschungen, die in dieser Form bei Blechblasinstrumenten selten zu sehen sind: Die Ventilmaschine präsentiert sich in Kombination mit dem Druckwerk in kompaktester Bauweise. Die Wechsel liegen praktisch unter den Drückern; bei deren Betätigung werden die Flügel in die entsprechende Position gezogen (traditionell ist Drücken angesagt) – nur so ist eine solche Konstruktion zu realisieren. Die Ventilmaschine läuft wirklich „rund“; sicherlich tragen dazu Neusilbergarnitur und Minibalgelenke bei. Die Messingbüchsen sind auffällig und dürften Fragen aufwerfen (Anfälligkeit für Oxidation und mangelnde Haltbarkeit) – sie sind wohl ein Zugeständnis an die Soundqualität. Denn nachweislich klingen Instrumente mit Ventilbüchsen aus diesem Material weicher und voller – gilt das auch für unseren Testkandidaten? Wir warten auf den Anblastest.
Die größte Überraschung gibt es zum Schluss: Der komplette Maschinenteil und das Goldmessingmundrohr sind demontierbar. Nur so ist es möglich, die hinter einem Rohrgewirr versteckten Schraubdeckel zu entfernen, um die Wechsel zu demontieren.
Hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht und endlich mal an die Reparateure gedacht: Wir müssen nun nicht mehr mit unhandlichen Ungetümen kämpfen und in den Tiefen des Raumes Lagerdeckel einpassen. Reparaturen und Servicearbeiten dieser und ähnlicher Art sind bei der 778L ein Kinderspiel und ohne Probleme zu bewältigen, weil man sich ausschließlich mit dem Korpus beschäftigen kann. Ich höre Einwände: Gelötete Verbindungen sind in jedem Fall stabiler als geschraubte (und davon hat unsere Tuba insgesamt sieben Stück!) – hier gibt es von Jupiter zum Schluss noch einen kleinen Überraschungsbonus. Bei den belasteten Punkten verwendet man Stahlschrauben, die in massiven Hülsen Platz finden, ansonsten Messingschrauben (auch die wird wohl niemand überdrehen können!) und die bereits aus anderen Konstruktionen bekannte Kluppenverbindung von Maschine und Mundrohr. Da kommen doch tatsächlich Erinnerungen an das Spiri-Verbindungssystem auf, wo man beim Thema „Schraubbefestigung“ auch ganz neue Weg geht und Inbusschrauben aus Stahl verwendet, die den traditionellen Konstruktionen aus Messing oder Neusilber beim Thema „Haltbarkeit“ um Klassen überlegen sind.
Die Demontage von Korpus und Maschinenteil ist ein Kinderspiel und wäre ohne die Mithilfe eines großen schwedischen Möbelhauses doch nicht ohne weiteres möglich gewesen. Denn der entsprechende Inbusschlüssel ist bei der 778L nicht im Lieferumfang enthalten – nach dem nächsten Möbelaufbau dieses Werkzeug also bitte aufheben und gleich im Zubehörfach verstauen. Im Gesamteindruck präsentiert sich unser Testinstrument sehr überraschend. Gute Ideen bei der kompakten Konstruktion, professionelle Qualität in der handwerklichen Ausführung, solide, fast überproportionierte Schraubverbindungen, die die Servicearbeiten an Großinstrumenten dieser Art erheblich erleichtern und ein für alle Benutzer individuell einstellbarer Daumenring. Features dieser Art erwartete man bisher von anderen Herstellern. Wenn jetzt noch der Anblastest annähernd so gut ausfällt, kann die Begrüßungsrede schon mal vorbereitet werden.
„… Willkommen im Club!“
Der Versuch unserer kleinen Jupiter B-Tuba im Konzert der „Großen“ für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen, scheitert mangels Masse. Dennoch hat sie ihren dickleibigen Kollegen einiges voraus, besonders, wenn es um Handlichkeit und leichte Ansprache geht. In der hohen und mittleren (Tuba)-Lage fühlt sie sich sichtlich wohl. Mit Euphonium-Klang hat das allerdings wenig zu tun, eher schon wie F-Tuba solistisch gespielt. Flexibel und klar definierte Läufe sind mit diesem Instrument kein Problem.
„Warum bauen die dann nicht gleich `ne F-Tuba?“ – Dieses Instrument wurde natürlich besonders für Einsteiger oder als Zweitinstrument für unterwegs konstruiert und um die Konkurrenz in diesem Segment (Yamaha YBB-105 oder Melton „Handy“) direkt anzugreifen. Kann das erfolgreich sein?
Die Intonation der 778L ist hervorragend, die untere Lage wirkt zwar klanglich etwas dünn, doch selbst hier stimmt jeder Ton ohne große Ausgleichmanöver. Sind wir mal ehrlich: Von den Kleinen erwartet doch keiner das volle Volumen in der Kontralage wie bei einem Kaiserbass von Miraphone oder Cerveny. Allen kompakten B-Tuben muss man gewisse Schwächen in dieser Disziplin nachsehen – und ich bin auch bei diesem Instrument großzügig. Denn es ist noch kompakter gebaut als alle Konkurrenten; erstaunlich, das es überhaupt in diese „Tiefen“ vorstoßen und hier einen akzeptablen Tubaklang produzieren kann. Der wird von den Zuhörern mit wohlwollendem Kopfnicken akzeptiert. Kompakte Bauweise und leichte Ansprache ist bei diesem Instrument kein Widerspruch. Die Instrumentenmacher von Jupiter haben hier wirklich hervorragende Arbeit abgeliefert und sich offenbar für die Entwicklung ihres ersten wirklich durchdachten Drehzylinderinstruments genügend Zeit genommen. Die Ansprache ist auffallend leicht und alle Lagen sind ohne große Anstrengung auch für ungeübte Bläser gut zu meistern. Hier spielt sicherlich auch das sehr gute Handling eine wichtige Rolle, denn diese Tuba kommt nie schwergewichtig oder plump daher. Immer wieder wird man eher an ein Euphonium als an eine Tuba erinnert – und immer wieder begeistert die Zylindermaschine mit hervorragenden Laufeigenschaften.
Sie ist ein echtes Highlight, das ich in dieser Form noch nicht gesehen habe: Die Drehzylinder liegen direkt unter dem Druckwerk und werden „rückwärts laufend“ betätigt. Es scheint zu funktionieren; bei der Ausstattung (Neusilberdruckwerk mit Minibalgelenken – leider Messingbüchsen) und den niedrigen Fertigungstoleranzen kann fast schon von deutschem Qualitätsstandard gesprochen werden. Entsprechend müsste also die Begrüßungsrede ausfallen: „Auf dich haben wir bereits gewartet. Willkommen im Club der kleinen Großen. Du hast ausgezeichnete Qualitätsmerkmale, auf die ich im Folgenden näher eingehen will…“ Und am Ende: „ Wenn ich nun zum Schluss auf deinen Preis schaue, werden zwar einige langjährige Mitglieder kräftig schlucken – trotzdem: Herzlich willkommen im Club!“